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Falcon 6X: Luxus für die Langstrecke

Die Falcon 6X soll bereits 2021 zum Erstflug starten. Der Langstrecken-Jet bietet ausreichend Reichweite, um wichtige Ziele auf der ganzen Welt nonstop zu verbinden. Foto: Dassault Aviation
Die Falcon 6X soll bereits 2021 zum Erstflug starten. Der Langstrecken-Jet bietet ausreichend Reichweite, um wichtige Ziele auf der ganzen Welt nonstop zu verbinden. Foto: Dassault Aviation

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Flugzeughersteller ein weit fortgeschrittenes und damit millionenschweres Projekt eindampft. Der französische Hersteller Dassault Aviation hat Ende 2017 genau das getan, nachdem Probleme mit dem Triebwerk für eine mehrjährige Verzögerung in der Entwicklung des zweistrahligen Business Jets Falcon 5X gesorgt hatten. Es war ein in der jüngeren Geschichte der Business Aviation beispielloser Schritt. Bei der Vorstellung der Nachfolgerin Falcon 6X in Le Bourget bei Paris durfte ich Ende Februar dabei sein, um für aerokurier und Flug Revue zu berichten. 

Grund für das Aus der Falcon 5X waren anhaltende Probleme mit dem Triebwerk. Das Safran Silvercrest hatte von Anfang an mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Beim Erstflug der 5X im Sommer 2017 entsprach die Konfiguration der Triebwerke nicht dem angestrebten Serienzustand. Im Herbst 2017 erreichte die Auseinandersetzung zwischen Dassault Aviation und Safran einen neuen Höhepunkt: Kurz vor der wichtigsten Messe für die Business Aviation, der NBAA-BACE in Las Vegas im Oktober vergangenen Jahres, musste Safran erneut Probleme mit dem Antrieb eingestehen. Diesmal ging es offenbar um den Hochdruckverdichter. Eric Trappier, Voristzender und CEO von Dassault Aviation, konnte seinen Ärger nicht gänzlich verbergen und kündigte an, bis Ende des Jahres eine Entscheidung zu treffen. Während der Pressekonferenz kam es zu einem ungewöhnlich offenen Schlagabtausch zwischen dem Flugzeughersteller und einem Vertreter von Safran. 

Dassault Aviation hat sich schließlich für einen sauberen Schnitt entschieden: Nur zwei Monate nach dem Aus für die 5X stellten die Franzosen die Falcon 6X vor. Der neue Business Jet ist  im Kern eine gründlich überarbeitete 5X mit neuen Triebwerken, etwas mehr Rumpflänge und einem Plus bei der Reichweite. Das Redesign war notwendig geworden, da es am Markt keinTriebwerk gibt, das dem Silvercrest in Leistung, Größe und Gewicht entspricht. Die Wahl fiel nun auf die PurePower-PW800-Reihe von Pratt & Whitney Canada. Eine neue Variante mit der Bezeichnung PW812D kommt den geforderten Spezifikationen am nächsten, ist allerdings größer, schwerer und stärker. Eine neue Weight-and-Balance-Berechnung und damit ein im Bereich vor dem Flügel um einen halben Meter gestreckter Rumpf sind die Konsequenz. Pratt & Whitney Canada ist ein langjähriger Partner, dessen Triebwerke bereits in anderen Falcon-Jets zum Einsatz kommen. 

Eric Trappier schaut dank der neuen 6X optimistisch in die Zukunft.
Eric Trappier schaut dank der neuen 6X optimistisch in die Zukunft.

Dassault Aviation gelingt es, das neue Konzept als Fortschritt gegenüber der 5X zu vermarkten. So ist die Falcon 6X ist noch konsequenter auf Kabinengröße und Reichweite ausgelegt als ihre Vorgängerin. Eric Trappier: „Wir hatten eine gute Basis und ein neues Triebwerk. Daraufhin mussten wir das neue Flugzeug anpassen und optimieren.“ Das Längen-Plus macht sich vor allem in der Kabine bemerkbar, die jetzt 12,30 Meter misst. Geblieben sind großzügige 1,98 Meter in der Höhe und 2,58 Meter in der Breite. Dassault bescheinigt seinem neuen Zweistrahler damit, klassenübergreifend eine der geräumigsten Kabinen eines Business Jets zu bieten. Bis zu 16 Passagiere finden in drei Sektionen Platz. Weitere Pluspunkte sind der niedrige Geräuschpegel in der Kabine, das besonders gründliche Luftreinigungssystem und der niedrige Kabinendruck. Großzügige Fensterflächen gehören zu den weiteren Vorzügen des  Zweistrahlers. 

Computersimulationen sind für die Entwicklung eines Jets wie der 6X unverzichtbar. Foto: Dassault Aviation
Computersimulationen sind für die Entwicklung eines Jets wie der 6X unverzichtbar. Foto: Dassault Aviation
Seitenansicht der Falcon 6X. Grafik: Dassault Aviation
Seitenansicht der Falcon 6X. Grafik: Dassault Aviation
Ansicht von oben. Grafik: Dassault Aviation
Ansicht von oben. Grafik: Dassault Aviation

Viele technische Entwicklungen aus der Falcon 5X finden sich in der 6X wieder. Während der verkürzten Flugerprobung wurden wichtige Erkenntnisse über die Systeme gewonnen. Der Flügel entspricht aerodynamisch dem Entwurf der 5X, wurde aber strukturell für das erhöhte Gewicht neu ausgelegt. Brachte es die 5X auf 31.570 Kilogramm maximale Abflugmasse, stehen bei der 6X jetzt 35.135 Kilogramm im Datenblatt. Highlight des Flügels sind die Flaperons, also Steuerflächen, die die Eigenschaften von Querruder und Klappen vereinen. Wie in den anderen Falcon-Jets auch, vertraut Dassault bei der 6X auf eine ausgeklügelte Fly-by-Wire-Steuerung. Der Pilot hat bei diesem "Closed Loop" nicht mehr wie im klassischen Flugzeug die Kontrolle über einzelne Steuerflächen und Trimmung, sondern gibt mit dem Sidestick nur noch den Flugweg vor. Mit welchen Steuerflächen dieser dann aerodynamisch umgesetzt wird, entscheidet die Elektronik. Die Crew wird insbesondere in fliegerisch anspruchsvollen Situationen spürbar entlastet.

Die Piloten profitieren von Dassaults jüngstem Avionikpaket. Die jüngste Ausbaustufe des hauseigenen EASy III, es basiert auf dem Honeywell Primus Epic, bietet zahlreiche Features, die das Fliegen so sicher und einfach wie möglich machen. Zu den Kernfunktionen gehört beispielsweise ein fortschrittliches Wetterradar. Serienmäßig ist bei der 6X auch FalconEye an Bord. Das Head-up-Display mit besonders großem Blickfeld vereint synthetische Geländedaten mit Bildern aus einem Kamerasystem zu einem Gesamtbild. Anflüge bei Nacht und unter schwierigen Wetterbedingungen werden so einfacher als in herkömmlichen Flugzeugen. Das Diagnosesystem namens FalconScan überwacht permanent mehr als 100 000 Parameter.

Bei einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0.8 sind bis zu 10.200 Kilometer nonstop drin, genug für Interkontinentalflüge von Paris nach Peking, Los Angeles oder Kapstadt in Südafrika. Die Flaperons unterstützen steile Anflüge, so dass auch anspruchsvolle Plätze wie der London City Airport angeflogen werden können. Gleichzeitig ist die Startstrecke vergleichsweise kurz. Die Falcon 6X kann mit weitgehend vollen Tanks landen und so vor dem Sprung über den Ozean noch weitere Passagiere einladen. 

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Bereits 2021 soll der Business Jet zum Erstflug starten, ein Jahr später soll die Indienststellung erfolgen. Den Preis möchte man stabil halten. 45 Millionen Dollar hatte das französische Unternehmen bei der Vorstellung der 5X im Jahr 2013 angepeilt. Fünf Jahre später soll die leicht gewachsene Nachfolgerin 47 Millionen Dollar kosten. Aus wirtschaftlicher Sicht ist Dassault Aviation zuversichtlich, ein für alle Märkte weltweit attraktives Flugzeug im Portfolio zu haben. 

Der Streit um Schadenersatz schwelt mit Safran indes weiter. „Wir diskutieren dieses sensible Thema“, sagte Eric Trappier diplomatisch.

Blick ins Cockpit. Foto: Dassault Aviation
Blick ins Cockpit. Foto: Dassault Aviation
Ein Blick in die geräumige Kabine. Foto: Dassault Aviation
Ein Blick in die geräumige Kabine. Foto: Dassault Aviation
Reichweite der Falcon 6X. Grafik: Dassault Aviation
Reichweite der Falcon 6X. Grafik: Dassault Aviation